Sprachwissenschaftliches Gutachten zu der Formulierung "Jeder macht seins" von Prof. Dr. Luise F. Pusch
Hier ein Auszug aus dem Gutachten der Sprachwissenschaftlerin. Das vollständige dreiseitige Gutachten kann von Frau Budde, der Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Herford, angefordert werden.
...... > Die Formulierung "Jeder macht seins" ist aber auch aus Sicht der sprachlichen Geschlechterforschung abzulehnen. Zwar wird in den Pressekommentaren behauptet, "jeder" sei geschlechtsneutral - und denjenigen, die das nicht so sehen, wird die bekannte Palette unschöner Eigenschaften von Schwachsinn bis Bösartigkeit nachgesagt. Die Beschimpfungen ändern allerdings nichts an der sprachwissenschaftlichen Tatsache, daß Maskulina wie "jeder" nur pseudoneutral sind. Daß ihnen im Volksmund und in wissenschaftlich rückständigen Grammatiken Neutralität zugeschrieben wird, besagt noch lange nicht, daß sie sprachsystematisch tatsächlich neutral sind und/oder von der Sprachgemeinschaft als neutral verstanden werden. Es sollte klar sein, daß ein Oberbegriff, der formal mit einem seiner beiden Unterbegriffe identisch ist, nicht neutral sein kann: Beispiel: Jeder (angebl. Oberbegriff)/jeder, jede, jedes (Unterbegriffe).
Hier zwei überzeugendere Beispiele für neutrale Oberbegriffe: Pferd//Stute, Hengst oder das Neugeborene//die, der Neugeborene.
Daß die pseudoneutralen maskulina nicht wirklich neutral sind, zeigt sehr schön und deutlich folgende Formulierung aus dem Kommentar von Thomas Dohna: (war in der NW erschienen - die Red.) Da sitzen Kulturmanager, Juristen, Journalisten, Politiker und Künstler, darunter vier Frauen, in ihrer Freizeit zusammen....
Wenn wir das Wort "Frauen" durch "Männer" ersetzen, wird der Satz "irgendwie komisch":
Da sitzen Kulturmanager, Juristen, Journalisten, Politiker und Künstler, darunter vier Männer, in ihrer Freizeit zusammen.....
Das liegt daran, daß diese Maskulina eben höchstens pseudoneutral sind, daß sie - aus gramatikalischen und kulturhistorischen Gründen - die Lesart "Männer" nahelegen. Wenn sie dann so behandelt werden, als wäre die Lesart "Frauen" naheliegender, kommt es zum Zusammenstoß zwischen hergebrachter und neu verabreichter Bedeutung. Wären maskuline Personenbezeichnungen wirklich neutral, ließe sich dieser Effekt - und viele derselben Art - nicht erklären. Aus diesem Grund wird sich eine Gesellschaft, der es mit der sprachlichen Gerechtigkeit ernst ist, um Formulierungen bemühen müssen, die so wenig sexistisch wie möglich sind. ...............
...... > Die Formulierung "Jeder macht seins" ist aber auch aus Sicht der sprachlichen Geschlechterforschung abzulehnen. Zwar wird in den Pressekommentaren behauptet, "jeder" sei geschlechtsneutral - und denjenigen, die das nicht so sehen, wird die bekannte Palette unschöner Eigenschaften von Schwachsinn bis Bösartigkeit nachgesagt. Die Beschimpfungen ändern allerdings nichts an der sprachwissenschaftlichen Tatsache, daß Maskulina wie "jeder" nur pseudoneutral sind. Daß ihnen im Volksmund und in wissenschaftlich rückständigen Grammatiken Neutralität zugeschrieben wird, besagt noch lange nicht, daß sie sprachsystematisch tatsächlich neutral sind und/oder von der Sprachgemeinschaft als neutral verstanden werden. Es sollte klar sein, daß ein Oberbegriff, der formal mit einem seiner beiden Unterbegriffe identisch ist, nicht neutral sein kann: Beispiel: Jeder (angebl. Oberbegriff)/jeder, jede, jedes (Unterbegriffe).
Hier zwei überzeugendere Beispiele für neutrale Oberbegriffe: Pferd//Stute, Hengst oder das Neugeborene//die, der Neugeborene.
Daß die pseudoneutralen maskulina nicht wirklich neutral sind, zeigt sehr schön und deutlich folgende Formulierung aus dem Kommentar von Thomas Dohna: (war in der NW erschienen - die Red.) Da sitzen Kulturmanager, Juristen, Journalisten, Politiker und Künstler, darunter vier Frauen, in ihrer Freizeit zusammen....
Wenn wir das Wort "Frauen" durch "Männer" ersetzen, wird der Satz "irgendwie komisch":
Da sitzen Kulturmanager, Juristen, Journalisten, Politiker und Künstler, darunter vier Männer, in ihrer Freizeit zusammen.....
Das liegt daran, daß diese Maskulina eben höchstens pseudoneutral sind, daß sie - aus gramatikalischen und kulturhistorischen Gründen - die Lesart "Männer" nahelegen. Wenn sie dann so behandelt werden, als wäre die Lesart "Frauen" naheliegender, kommt es zum Zusammenstoß zwischen hergebrachter und neu verabreichter Bedeutung. Wären maskuline Personenbezeichnungen wirklich neutral, ließe sich dieser Effekt - und viele derselben Art - nicht erklären. Aus diesem Grund wird sich eine Gesellschaft, der es mit der sprachlichen Gerechtigkeit ernst ist, um Formulierungen bemühen müssen, die so wenig sexistisch wie möglich sind. ...............

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